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Berlin & München, Deutschland

Capester hilft Bürgern bei der Meldung von Vergehen

Haben Sie schon einmal beobachtet, wie jemand sein Fahrzeug ohne Genehmigung auf einem Behinderten-Parkplatz abstellt? Viele von uns kennen diese Situation, und der Anblick kann einen nicht nur wütend machen, sondern wirft auch die Frage auf, wie man darauf reagieren soll. Man kann den Fahrer sofort zur Rede stellen oder wenn er zurückkommt. Man kann beten, dass durch göttliche Fügung ein Verkehrspolizist erscheint. Man kann auch einfach weitergehen. Alle Möglichkeiten haben ihre Vor- und Nachteile und sind situationsabhängig, aber was wäre, wenn ich Ihnen erzählte, dass es jetzt einen Weg gibt, diesen Entscheidungsprozess zu vermeiden, dabei Ihrer Samariter-Neurose gerecht zu werden und gleichzeitig die Räder der Justiz in Gang zu setzen. Das Unternehmen Capester hat hierfür eine Lösung entwickelt.

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Capester-CEO Ohad Maislish

Capester ist eine israelische App für Mobiltelefone, die es dem Nutzer ermöglicht, alltägliche Regelverstöße zu melden, indem man sie filmt und diese rechtlich zulässigen Videos absolut anonym einsendet. Man muss nicht mit Ordnungshütern persönlich sprechen oder vor Gericht als Zeuge aussagen. Einfach draufhalten, klicken und abschicken. Der geistige Vater der App, Ohad Maislish, erklärt, was für einen gewaltigen Einfluss  seine eigenen Erfahrungen mit Behinderung bei der Entwicklung dieses Projekts hatten.

„Capester ist aus meiner persönlichen Geschichte entstanden“, sagt Maislish. „Ich musste siebenmal operiert werden und lief jahrelang mit Krücken oder saß im Rollstuhl. Capester nahm eigentlich seinen Anfang, als ich zu einem Abendessen meiner Familie bei meinem Bruder unterwegs war und es keine Parkmöglichkeit gab.“ Bei seiner Ankunft sah er, dass der einzige Behinderten-Parkplatz von einem Auto ohne Behinderten-Aufkleber besetzt war.

Maislish sagt dazu, dass es bestimmte Zeiten gibt, wo das regelmäßig passiert, weil an Freitag Abenden in Israel Parkkontrolleure nicht arbeiten. Man muss extra anrufen und in einem Notfall darum bitten, dass jemand vorbeikommt, was dazu führt, dass Leute sich sicherer fühlen illegal zu parken, wenn keine Kontrollen unterwegs sind. „Ich sah diesen Regelverstoß direkt vor mir und trotzdem gab es für mich keine einfache Möglichkeit, den Behörden zu helfen ihre Arbeit zu tun und gegen das Phänomen vorzugehen. Ich dachte: ‚Warum gibt es keine einfache Lösung?’ ‚Warum ist das so kompliziert?’ ‚Ich als Bürger möchte helfen, meine Umgebung sicherer und fairer zu machen.’“

Als er untersuchte, aus welchen Gründen ihm diese so sehr gebrauchte Lösung nicht einfiel, fand Maislish heraus, dass es sich hierbei um einen Prozess handelt, der abschreckt, sich zu engagieren, sowie ein juristisches System, das den Anschluss an moderne Technologie versäumt hatte. „Zu jener Zeit konnte man vor Gericht nicht einfach zulässige Beweise erstellen, was den gesamten Prozess sehr kompliziert gestaltete. Man musste auf ein Polizeirevier gehen, einen schriftlichen Bericht ausfertigen, sich identifizieren, die polizeilichen Ermittlungen abwarten, eine Zeugenaussage machen und dem Beklagten gegenübertreten. Aus diesem Grund machen die Leute das nicht. Es ist nicht einfach.“

Er wollte wissen, warum er nicht einfach sein Smartphone benutzen könne, um den Vorfall zu dokumentieren, und erhielt seitens der Polizei die Erklärung, dass aus einer Reihe logischer Gründe diese Beweismittel nicht den juristischen Standards entsprächen, um vor Gericht Bestand zu haben. Das Foto könne bearbeitet worden sein, es gebe weder Zeitpunkt noch Ort der Aufnahme an und verfüge über keine sichere Überwachungskette. An diesem Punkt kam die Technologie ins Spiel und veränderte das gesamte Szenario. „Ich habe Informatik studiert und als mir gesagt wurde, das Problem sei technologischer Natur, hatte ich eine Idee, wie man eine Plattform schaffen könnte, wo Videos nicht manipulierbar sind.” In Zusammenarbeit mit Freunden mit technischem und juristischem Hintergrund hat er in den folgenden eineinhalb Jahren ein System geschaffen, das die obengenannten Gerichtsstandards erfüllt.

Capester hat in der Folge einzelne Stadtverwaltungen angesprochen und mit ihnen daran gearbeitet, anonyme Bußgeldbescheide zu erstellen. Vor knapp einem Jahr sind sie in Israel gestartet und haben tausende Videos bekommen.

Maislish hofft, bald die USA und große Teile Europas zu erreichen. Bis jetzt operiert Capester in drei israelischen Städten, zwei kolumbianischen und einer brasilianischen.

Lesen Sie hier auf der Seite der Ruderman Foundation die englische Version des Textes.

Übersetzung: Henrik Ehmann

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