GTAI: Reges ausländisches Interesse an Israels High-Tech

GTAI berichtet über jüngste Großinvestitionen aus dem Ausland in Israels Industrie-, Hightech- und Life-Science-Sektoren:
Übernahmen und andere Investitionen/ Warren Buffet kauft Metallwerkzeughersteller auf / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (gtai) – Die ersten Monate des Jahres 2013 haben reges Interesse ausländischer Investoren an Israels High-Tech-Unternehmen mit sich gebracht. Signifikant ist dabei das Engagement chinesischer Geschäftspartner. Die größte der jüngsten Transaktionen gehört aber nicht zum Hochtechnologiesektor im engeren Sinne: Der US-Investor Warren Buffet hat die noch ausstehenden 20% am israelischen Metallwerkzeughersteller Iscar für rund 2 Mrd. US$ erworben.

Ein Blick auf das Engagement ausländischer Investoren seit Anfang 2013 zeigt, dass der Hochtechnologiesektor der Hauptmagnet für Kapital aus Übersee bleibt. Die größten Schlagzeilen machte indessen eine Investition: Anfang Mai kaufte der US-Investor Warren Buffet einen 20-prozentigen Anteil an Iscar, dem führenden israelischen Hersteller von Hartmetallwerkzeugen. Bereits 2006 hatte das “Orakel von Omaha” 80% von Iscar erworben – damals für 4 Mrd. US$. Jetzt blätterte Buffet für die restlichen 20% weitere 2,05 Mrd. US$ auf den Tisch. Danach berechnet hat sich der Firmenwert innerhalb von sieben Jahren verdoppelt – ein weiterer Grund für das starke Medienecho.

Zwei weitere große Übernahmen, die ausländische Kapitalgeber in letzter Zeit in Israel getätigt haben, gehören in den Bereich der wissensorientierten Industrie. Im März 2013 erwarb der US-Anbieter von Lösungen für das Gesundheitswesen Allscripts Healthcare Solutions den ebenfalls auf das Gesundheitswesen spezialisierten israelischen Software-Anbieter dbMotion für 235 Mio. US$. Damit vertieften die US-Amerikaner ihr Engagement bei der israelischen Firma, mit der sie bis zur Übernahme bereits eine strategische Partnerschaft unterhalten haben.

Ebenfalls im Gesundheitssektor und fast zum gleichen Preis ging im April eine andere interessante Übernahme über die Bühne: Für 240 Mio. US$ kaufte die chinesische Shanghai Fosun Pharmaceutical Group einen Anteil von 95,6% an Alma Lasers, einem Hersteller von chirurgischen Produkten auf der Grundlage der Laser-, der Radiofrequenz- und der Ultraschalltechnologie. Das in Israel gegründete und nach wie vor tätige Unternehmen hat heute seinen Hauptgeschäftssitz in den USA, wird aber der israelischen High-Tech-Branche zugerechnet.

Israels erstarkende “China Connection” wurde an zwei anderen Beispielen erkennbar. Im März erklärte die Investitionsmanagementfirma China Everbright Ltd., sie wolle sich in Israel an Investitionen im Wert von 100 Mio. bis 200 Mio. US$ beteiligen. Die Firma visiert Investitionen im Hochtechnologiesektor an.

Im April gab die weltweit tätige chinesische Großkanzlei Yingke die Eröffnung eines Israel-Büros bekannt. Als dieses fungiert die israelische Anwaltskanzlei Eyal, Khayat, Zolty Neiger & Co., die nach der Fusion mit dem chinesischen Partner den Namen Yingke Israel – Eyal, Khayat, Zolty, Neiger & Co. trägt. Zu den Arbeitsschwerpunkten der Kanzlei gehören Technologiegesetze und Wagniskapital. Die dynamischen Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern könnten chinesische Investitionen in Israel zu einer häufigeren Erscheinung als bisher machen.

Es sind aber nicht nur Großübernahmen, die auf steigendes Interesse ausländischer Firmen am israelischen High-Tech-Sektor hindeuten. Laut einer Erhebung der israelischen Wirtschaftsprüfungs- und Consultingfirma Deloitte Brightman Almagor Zohar erwarten Manager israelischer Wagniskapitalfonds eine Expansion ausländischer Investitionen in israelische Start-Ups im Lauf des kommenden Jahres.

Die höchste Zahl von Firmenübernahmen durch ausländische Kapitalgeber wird in den Sparten Internet, Software, Informationstechnologie und Sicherheitstechnologie erwartet. Deloitte Brightman Almagor Zohar erklärte gegenüber der Wirtschaftszeitung Globes, das steigende Interesse ausländischen Kapitals an israelischen Start-ups hänge mit den intensiven Bemühungen vieler international tätiger Firmen zusammen, die ihre Konkurrenzfähigkeit durch Technologiezukauf verbessern möchten.

Manchmal kann es sich lohnen, das Verhalten der Konkurrenz zu beobachten. So hat der Apple-Konzern im Februar beschlossen, sein drittes israelisches Forschungs- und Entwicklungszentrum in der Stadt Ra’anana nördlich von Tel Aviv zu eröffnen. Dabei stellt Apple einen großen Teil der 250 israelischen Forschungsmitarbeiter ein, die vor kurzem vom US-amerikanischen Halbleiterhersteller Texas Instruments – ebenfalls am Standort Ra’anana – entlassen wurden.

(S.T.)

2013-05-13T14:23:05+00:00May 13th, 2013|Wirtschaft und Konjunktur|0 Comments