Schnee aus Israel trotzt miesem Skiwetter in den Alpen

Im Moment scheint Deutschland klimatechnisch auf dem Kopf zu stehen: In Berlin bricht der Winter ein, während im Süden befürchtet wird, dass Väterchen Frost für diese Saison bereits abgereist ist. Denn in vielen deutschen Skigebieten ist die Enttäuschung über die Skisaison 2013/2014 groß. Sie wird als Vorbote für künftige Winter gewertet. Große Investitionen in Speicherseen und Beschneiungsanlagen sind inzwischen auch für höher gelegene Ressorts ein Muss. Und selbst auf einigen Gletschern hilft man sich inzwischen anders ab: mit Schnee aus israelischer Entsalzungstechnik!

Auf dem Pitztalgletscher und auf dem Furgsattel am Matterhorn wird auch in der aktuellen Saison Kunstschnee produziert. zermatt-machine-roomWie in einer lesenswerten Reportage auf businessweek.com beschrieben wird, arbeiten die dort verwendeten IDE Snowmaker mit einer weit besseren Ökobilanz als gewöhnliche Schneekanonen.

Der benötigte Strom entspricht dem Verbrauch von sechs Schneekanonen – bei weit größerer Schneemenge und besserer Qualität. Das Wasser wird aus bereits bestehenden Speicherteichen entnommen, die in den aktuellen Projekten wiederum ausschließlich mit Gletscherschmelzwasser gespeist werden.

Doch wie kommt es, dass die Anlage aus dem nicht gerade für harte Winter bekannten Mittelmeerstaat Israel stammt? Avraham Ophir, einer der führenden Köpfe von Israel Desalination Enterprises (IDE), berichtet, dass er die Grundlagen dieser Technologie aus seiner Gefangenschaft snowmakerin einem Gulag mit nach Israel brachte. Dort wurde das Trinkwasser aus Meerwasser gewonnen. Da gefrorenes Wasser kein Salz enthält, reichten die kalten Wintertemperaturen und ein geschicktes Schleusensystem aus, um Süß- und Salzwasser zu trennen. In seiner weiter entwickelten Form funktioniert dieser Prozess auch ohne Minusgrade. Auch bei einem Druck von unter vier Millibar wird Wasser zu Eis und das Salz löst sich heraus. Vakuumentsalzung ist die Grundlage von Israels Erfolg in diesem Sektor.

Bei Schneekanonen wird Wasser mittels Druckluft und Düsen zerstäubt. Dafür benötigt man Temperaturen von mindestens minus 6 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von unter 60 Prozent. Der All Weather Snowmaker von IDE ist die weltweit erste Schneemaschine, die temperaturunabhängig Schnee produzieren kann. Innerhalb von 24 Stunden kann er bis zu 1.720 Kubikmeter des weißen Goldes auf die Pisten bringen.

 

Die vollständige Reportage des Autors McKenzie Funk und Avraham Ophirs Gulag-Geschichte finden Sie hier.

2014-01-27T15:14:47+00:00January 27th, 2014|Wasser und Abwasser, Umwelttechnologie|0 Comments