Von bionischen Beinen bis Videospielen für Physiotherapie: Was lässt den israelischen Medizintechnik-Sektor so gut angekommen?

Die globale Medizintechnik-Industrie revolutioniert die Art und Weise, wie wir uns heilen und pflegen: Von bionischen Augen über roboterhafte Extremitäten und Smartphone-Apps, die unsere Vitalwerte messen bis hin zu Helmen, die unsere Köpfe mit elektromagnetischen Pulsen kurieren, versprechen medizinische Vorrichtungen, uns länger gesund zu halten und besser zu heilen, wenn wir krank werden.

Israel hat einen internationalen Ruf als „Startup-Nation“ für seine High-Tech-Fähigkeiten gewonnen und verfügt nicht nur über die höchste Anzahl an Startups, den größten Anteil an Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Staatshaushalt, sondern auch über die höchste Rate von Wagniskapital-Investitionen pro Kopf.

Aber die Startup-Nation hört nicht bei sensationellen Exits und coolen Apps auf. Die unternehmerische Kreativität und das technische Know-How haben Israel zu einem Weltmarktführer in der Life-Sciences-Industrie gemacht – in dem Medizintechnik den größten Anteil ausmacht. Es gibt hunderte Medizintechnik-Unternehmen in Israel, die rund 60 Prozent der gesamten Life-Sciences-Industrie ausmachen. Genau genommen rangiert das kleine Land auf dem ersten Platz in der Welt, wenn es um die Anzahl der medizintechnischen Patente pro Kopf geht.

Sie können einen tiefen Einblick in viele dieser Innovationen bei der MEDICA 2014 in Düsseldorf bekommen, wo 46 israelische Firmen ihre bahnbrechenden Produkte für medizinische Bereiche ausstellen, die Therapeutik, Robotik, Monitoring, Diagnostik, Bildgebung, Telemedizin und viele mehr umfassen.

Medica2014

Da wäre zum Beispiel IceCure zu nennen; ein medizinisches Wunder, das golfballgroße Brustkrebstumore durch Gefrierung zerstören kann. BioGaming ist ein Videospiel, das als persönlicher Physiotherapeut fungiert. Die fortschrittlichen Erfassungs- und Analyse-Tools von BioGaming erlauben es, physiotherapeutische Übungen zuhause oder im Krankenhaus unter Kontrolle auszuführen. Cnoga befähigt Menschen, Blutuntersuchungen selbst zu verwalten indem normale Farbkameras statt Nadeln benutzt werden und man so seinem Arzt die Ergebnisse schnell zumailen kann.

ReWalk, entwickelt von Argo Medical Technologies, ist ein tragbares Außenskelett, das es querschnittsgelähmten Menschen wieder ermöglicht zu gehen. ReWalk hat im Juni 2014 die FDA-Zulassung erhalten um kurz darauf im September 2014 einen starken Gang an die Börse zu wagen. Claire Lomas bemerkenswertes London-Marathon-Finish im ReWalk-Roboteranzug diente weltweit als Insipiration für Menschen mit Behinderung.

Given Imaging ist ein gutes Beispiel für Israels starken Bildgebung-Subsektor in der Medizintechnik-Arena. Dieses Jahr für 860 Millionen US-Dollar vom irischen Medizintechnik-Produzenten Covidien übernommen, ist Given Imaging für die Kamerapille bekannt: Pillcam ist eine kleine Kapsel mit zwei winzigen Videokameras, die es ermöglicht, Bilder aus dem Magen-Darm-Trakt live ohne operativen Eingriff zu betrachten. Der Gründer der Firma ist ein ehemaliger Armee-Ingenieur, der Raketenlenksysteme mit medizinischem Know-How kombiniert hat um diese nicht-invasive Kamera zu entwickeln.

Woher rührt Israels Erfolg in diesem Bereich? Es ist nicht nur die Anwendung von Militärtechnologien im zivilen Gebrauch. Die Medizintechnik-Industrie ist ein interdisziplinärer Sektor, der Medizin mit Technologie verbindet und als solcher profitiert Israel von dem Umstand, dass ein hohes Maß an Wissen und Expertise in vielen verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel, Elektronik, Medizin, Bildgebung, Software etc. vorherrscht.

Wenn man dies zum bestehenden Milieu, das aus Israel eine Startup Nation macht – die kulturelle Akzeptanz von Risiko und Scheitern und der vielgerühmte Chutzpah-Faktor, der typischerweise niemals ein Nein als Antwort akzeptieren lässt-–, ergibt sich ein Kraftzentrum für innovative medizinische Unternehmen. Dazu kommen zahlreiche Öffentlich-Private-Partnerschaften, die den Sektor weiter stärken. Solch eine Beteiligung der Regierung ist bei Pre-Seed- und Seed-Stage-Startups besonders bedeutend, da Wagniskapitalgeber und andere Investoren es gewöhnlich zu riskant finden, in solch einer frühen Phase in ein Startup zu investieren.

Zahlreiche Firmen, die solche Erfolgsgeschichten geschrieben haben, werden bei der MEDICA 2014 in der kommenden Woche ausstellen. Kommen Sie an den israelischen Gemeinschaftsstand in Halle 16, um mehr über Möglichkeiten zur Kooperation, Investition und Partnerschaft zu erfahren. Bis bald in Düsseldorf!

2014-11-06T10:24:18+00:00November 6th, 2014|Life Science und Biotech, Pharma und Medizin|0 Comments