Israelische FinTechs drängen nach Frankfurt

Der deutsche Markt liegt mit Startups auf einer Wellenlänge, nicht nur auf Grund seiner Lage und seiner Größe, sondern auch wegen seiner besonnenen und kritischen Art. Das hat Israel schon seit geraumer Weile erkannt und schickt seine Technologie-Vorhut in deutsche Metropolen.

Nach Berlin und München siedelt sich jetzt standortgerecht der Fintech-Sektor auch in Frankfurt an, der vielleicht dem deutschen Banken- und Finanzunternehmertum auf die Sprünge hilft. Zwar wussten laut Meinungsforschung Explorare 2016 noch 90% der Deutschen nicht, was FinTech bedeutet, so zitierte die Frankfurter Rundschau, aber seit das Phänomens vor weniger als 10 Jahren in Großbritannien seinen Anfang nahm, boomt der Sektor wie kein anderer. FinTech steht für Finanztechnologien, u.a. Algorithmen, Big Data und Prognosen, die bestimmte Anlage-, Bank-, und Versicherungsprodukte, Kreditvergabe, Zahlungsmechanismen und viele andere Transaktionen über das Internet abwickeln können, ohne dass dafür zwingend eine Bank oder Versicherung dahinter stehen muss. Zum Beispiel sind Produkte wie Clark und Lemonade, digitale Versicherungsmakler oder Preisvergleichsportale bereits erfolgreiche Fintech-Apps für den Endverbraucher. Die Branche muss sich umstellen.

Mit hohen Wachstumsraten ziehen FinTechs magnetisch Investoren aus der ganzen Welt an und gehören damit zu den attraktivsten Business-Sparten unter den Startups. Seit dem Brexit verlagert sich die FinTech-Szene  von London zunehmend nach Frankfurt.

Israelische FinTechs haben nicht nur hohe technologische Reife sondern eben auch relativ geringe Operationskosten und eröffnen zudem neue Sektoren und Investitionssegmente. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass nun auch Frankfurt ein neuer Standort für zahlreiche Inkubatoren der in-und ausländischen FinTech-Szene ist, an dem gleich vor Ort die Produkte vermarktet und auch weiterentwickelt werden können, denn die Antennen der Branche scheinen auf Empfang zu stehen.

Accelerator Frankfurt ist zum Beispiel solch ein Inkubator, der 10 Fintech-Startups im Jahr für den deutschen Markt fit machen will. Der Israeli Ram Shoham und die Finnin Maria Pennanen, beide mit langjähriger Erfahrung in der Finanz- und Unternehmenswelt, sind die Gründer des Accelerators, der zu einem Drittel aus isreaelischen Fin-Tech-Startups besteht. Der Accelerator hilft dabei, die auf Technologie ausgerichteten Einheiten an den deutschen Markt anzupassen, entsprechende Bankpartner und Investoren zu finden und die Startups u.a. über rechtliche und marktwirtschaftliche Besonderheiten vor Ort aufzuklären, denn oft kann ein Inkludierungsprozess einer Bank bis zu 24 Monate dauern und das wiederum ist manchmal länger als der Lebenszyklus eines FinTech Startups.

Israel ist bekannt für seine innovativen disruptiven Technologien, doch der Markt ist hart umkämpft und Schnelligkeit ist Gebot. Laut Deloitte generierte die israelische Start-up-Szene 2016 ein Volumen von 4.5 Milliarden USD an Finanzierung, 20% davon fielen auf das rapid wachsende, 400 Firmen umfassende FinTech-Ecosystem. Israel ist Trendsetter in Sachen Technologie, Umsetzung und Anpassung und die Regierung schafft immer wieder künstliche Freiräume oder sogenannte „Sandboxen“, in denen die Realität mit veränderten Rechts- Wirtschafts- und Infrastruktursituationen simuliert wird. Das macht das Land eben auch so attraktiv für ausländische R&D Center und dergleichen.

Israelische FinTech Neulinge am Markt sind zum Beispiel Colu – eine auf Blockchain basierende Multi-Währungen-App, die von Händlern benutzt werden kann; die API-Integrationsplattform OpenLegacy, Scanovate – eine Plattform für Identitätsmanagement (KYC), Personetics –Digitalisierte Bankgeschäfte nach Prognosen, oder Seegnature – disruptive Technologie der neuen Generation für die Versicherungsbranche.

In der viermonatigen Förderrunde von Accelerator Frankfurt befinden sich akuell zwei israelische Startups, die mit dem Frankfurter Banken- und Finanzsektor die nächste Investitionswelle reiten wollen: EasySend, die an der Vereinfachung von digitalen Organisationsprozessen arbeiten und ShieldFinancialCompliance, die sich auf die Unterstützung von Firmenkunden bei der Umsetzung von Finanzrichtlinien spezialisiert haben.

Ob die schwergewichtige deutsche Geldbranche die gleiche Welle nimmt oder zumindest weitere unter ihnen die Antennen aufstellen, bleibt abzuwarten. Aber „Geschwind gewinnt“ soll auch ein deutsches Sprichwort sein.

 

2018-06-12T19:10:29+00:00June 12th, 2018|Finanzsektor, Unternehmen und Investments|0 Comments