Die Baubranche trägt ca. 40% zum globalen CO2-Ausstoß bei. Ohne Nachhaltigkeit in der Baubranche wird es daher kein nachhaltiges Wirtschaften geben können. Welche Möglichkeiten gibt es also, dieser Problematik mit technologischen Innovationen zu begegnen?

Diese Frage stellten wir in unserer Online-Veranstaltung „Sustainability in Construction“ am 24. Februar 2022.

Falls Sie die Veranstaltung sehen möchten, hier finden Sie die Aufzeichnung.

Zu Beginn stellte Maya Trajtenberg, Senior Consultant RealEstate und PropTech bei Deloitte Catalyst das israelische Ökosystem der Baubranche vor. Israel steht in der Bauwirtschaft vor besonderen Herausforderungen. Zum einen gibt es einen großen Bedarf, die Sicherheit auf den Baustellen zu erhöhen. Allein im vergangenen Jahr gab es über 30 tödliche Unfälle im Land. Zum anderen gibt es große Herausforderungen im Bereich Arbeitskräfte. Der Mangel an Fachkräften ist enorm und bremst die Bauwirtschaft ein. Überdies ist der Bedarf an neuem Wohnraum ungeheuer groß. Die israelische Gesellschaft weist enorme Wachstumsraten bei gleichzeitigem Mangel an Baugrund auf. Laut Trajtenberg ist dies der spezielle Nährboden für innovative Entwicklungen in der Startup Nation.

Das israelische Ökosystem im Bereich Construction Technology ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Waren es vor fünf Jahren erst ein gutes Duzend Startups, nähert sich deren Zahl gerade der 250er Marke, wie Zachi Flatto, CEO von ConTech Israel berichtet.

In zwei Panels, moderiert von Hila Lipman (Sector Lead CleanTech & Construction im Israelischen Export Institut) und Zachi Flatto (CEO, Contech Israel) stellten sich vier Firmen vor, die aus verschiedenen Perspektiven vor Augen führten, dass es keineswegs utopisch ist, den ökologischen Fußabdruck der Bauindustrie drastisch zu reduzieren.

Econcrete hat eine Technologie entwickelt, um Beton, der im Wasser verbaut wird in mehreren Hinsichten ökologisch wertvoll zu machen. Mit einem speziellen Zusatz zum Beton wird verhindert, dass die im Material enthaltenen Gifte austreten. Dadurch kann sich Leben auf den Beton-Strukturen ansiedeln. Dies hat gleich mehrere Vorteile:

Die Biomasse, die sich ansiedelt,

  • stärkt den Beton langfristig und erhöht die Haltbarkeit. Dies wird an den ersten Installationen, die vor gut zehn Jahren eingerichtet wurden, nun immer deutlicher.
  • erhöht durch ihre Filterwirkung die umliegende Wasserqualität
  • Bindet kontinuierlich CO2

Greenvibe Sensing bietet die nächste Generation von Sensoren für die Zementindustrie an. Damit können Daten im Beton selbst gesammelt werden. Oft wird noch immer mit Schätzwerten gearbeitet, wenn es zum Beispiel zur Stabilität des Materials kommt. Die deshalb eingehaltenen Safety-Margins sind unnötig, verursachen einen deutlich höheren CO2 Ausstoß und zudem extrem hohe Kosten in einer stark preisgetriebenen Industrie.

Auch Structure-Pal setzt am Problem „Overdesign“ von Beton-Strukturen an. Eine künstliche Intelligenz ermöglicht die Automatisierung und Optimierung von Designprozessen. Führt man sich vor Augen, dass diese Aufgaben noch immer oftmals manuell erledigt werden, wird deutlich, wie groß das Potential für KI-Lösungen ist. Structure-Pal spricht von 50% Zeitersparnis im Design-Prozess, 15% Reduktion der verwendeten Beton-Menge sowie der Kosten für das Material und einer 30 prozentigen Einsparung von CO2-Emissionen.

Foldstruct arbeitet ebenfalls mit KI und setzt am Designprozess an. Unter dem Motto „one stop for digital construction 4.0“ optimiert Foldstruct Designstrukturen automatisch für optimale Herstellungsprozesse und eine hochwertige Außenwirkung der Gebäude. „Iconic design for feasible budgets“ ist das spannende Versprechen, mit dem die Firma nun immer stärker Fuß im internationalen Markt fasst.

Als Experten von deutscher Seite konnten wir Hoang Anh Nguyen vom Startup alcemy gewinnen. Auch alcemy stößt in eine ähnliche Richtung. Mittels KI kann der Klinker-Anteil im Beton, der für den Hauptteil der CO2 Emissionen verantwortlich ist, reduziert werden. Hoang hat einen spannenden Einblick in seine Arbeit als Public Policy Lead gegeben. Denn allein mit technologischen Neuerungen lässt sich der Markt nicht erobern. Dazu ist Deutschland zu stark reguliert, vor allem die mit ständigen Sicherheitsbedenken konfrontierte Baubranche. Hier ist viel Überzeugungsarbeit zu leisten, um das technologische Potential überhaupt ausschöpfen zu können.

Diese Veranstaltung war eine Auftaktveranstaltung, die allen das Potential und die Dringlichkeit technologischen Fortschritts vor Augen geführt hat. Israel hat hier führende Technologien anzubieten, die der Baubranche helfen können, ihre negativen Auswirkungen deutlich zu mildern und so einen globalen Beitrag zur Einhaltung der Klimaziele zu leisten.

Für weitere Informationen melden Sie sich jederzeit gerne bei Simon Steffgen (simon.steffgen@israeltrade.gov.il).