Das Energiesystem der Zukunft wird anders aussehen. Dezentrale Energieerzeugung, neue Endnutzer und die Steuerung von Geräten vom Smartphone aus: Das Netz wird komplexer und muss neue Anforderungen bewältigen. Der Zuwachs an Knotenpunkten bringt auch neue Anforderungen an die Absicherung des Netzes mit sich. Die Angriffsfläche für Attacken aller Art vervielfältigt sich.

Wie sieht also das sichere Energiesystem der Zukunft aus und vor allem: was ist nötig, um die Sicherheit in der Praxis zu implementieren?

Diese Fragen standen im Zentrum dieses Side-Events im Rahmen des Berlin Energy Transition Dialogs (BETD). Organisiert von der dena, sowie der Israel Economic and Trade Mission sowie dem BDEW fand der Abend mit ca. 30 Gästen in den Räumen des Future Energy Labs statt.

Gutachten: EnerCrypt. Cyberinnovationen für das sichere Energiesystem der Zukunft

Die Deutsche Energie Agentur dena hat sich des Themas im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz in einem ausführlichen Gutachten angenommen. Kernpunkte des Gutachtens stellte Benedikt Pulvermüller vor.

Unter dem Titel „EnerCrypt. Cyberinnovationen für das sichere Energiesystem der Zukunft“ wird die ganze Bandbreite an Themen behandelt: Entwicklungen und Trends der digitalen Energiewirtschaft, die Rolle von Innovationen, der wirtschaftliche Aspekt von Cybersicherheit und Vorschläge zur Förderung von Maßnahmen zur Cybersicherheit.

Wenn es um Cyberinnovationen geht, darf die Startup-Nation Israel natürlich nicht fehlen. Wir haben uns gefreut, als Partner der Veranstaltung Experten von zwei israelischen Firmen beizusteuern, die ausgewiesene Expertise im Bereich kritische Infrastruktur und Energie haben: Radiflow und Semperis.

Keynote von Jan Hadewig: “Energy Infrastructure Security – Predict the Future”

Jan Hadewig, Senior Sales Engineer bei Radiflow, startete den Abend mit seiner Keynote: „Energy Infrastructure Security – Predict the Future”. Sicherheit bedeutet, zukünftige Bedrohungen vorauszuschauen und pro-aktiv zu handeln. Reines reagieren dagegen birgt das ständige Risiko neuen Fähigkeiten auf Seiten der Angreifer hilflos ausgesetzt zu sein. Auf der anderen Seite ist die Vorausschau auch aus wirtschaftlicher Sicht ein wichtiger Faktor. Was ist der mögliche Schaden von Cyberangriffen? Wie und zu welchen Konditionen ist es möglich, sich zu versichern? Auf diesen Gebieten hat Radiflow wegweisende Expertise.

Im Anschluss stellte Jasmin Wagner Ergebnisse einer empirischen Befragung von Netzbetreibern zu Sicherheitsthemen vor. Hier wurde deutlich, dass die Bedrohungslage oft nicht ausreichend bekannt ist. Zudem zeigen kleinere und mittlere Betreiber Interesse an sehr praktischem Wissen und Fortbildungen in dem Bereich.

Podiumsdiskussion “Urgency for Innovation – Innovation through Urgency”

Höhepunkt war die Podiumsdiskussion unter dem Titel „Urgency for Innovation – Innovation through Urgency“. Hier diskutierten neben Jan Hadewig auch Oliver Keizers, AVP EMEA Central bei Semperis und Mathias Böswetter, Unit Manager Cyber Security & Critical Infrastructures beim BDEW. Die Diskussion bewegte sich zwischen der regulatorischen Seite und der Expertise aus der Praxis zweier israelischer Firmen, die seit geraumer Zeit in Deutschland operieren.

Hier einige Take-Aways:

  • Es mangelt in Deutschland an einer aktiven Sicherheitskultur. Sicherheit wird nicht als wirtschaftlicher Vorteil oder als wirtschaftliche Notwendigkeit verstanden. Sicherheitsmaßnahmen werden ergriffen, weil die gesetzlichen Vorschriften es erfordern.
  • Daher reagieren viele Unternehmen passiv, anstatt aktiv für ihre Sicherheit zu sorgen.
  • Hier kann man von der israelischen Seite lernen. Denn in Israel ist es selbstverständlich den Aspekt der Sicherheit jederzeit mit zu berücksichtigen.
  • Eine neue Sicherheitskultur stellt auch neue Anforderungen an interne organisatorische Prozesse und Verantwortlichkeiten.
  • In Deutschland sind Bedrohungen oftmals nicht bekannt, da nicht offen darüber geredet wird. Dadurch scheint es oft als wäre gar keine Bedrohung vorhanden. Auch hier braucht es eine andere Kultur der offenen Kommunikation, die für alle Beteiligten Vorteile hätte.
  • In Israel teilen Unternehmen selbstverständlich Informationen über Gefahrenlagen und Angriffe mit der Regierung. Nicht nur, weil sie dazu verpflichtet sind. Dieser Wissensaustausch ermöglicht eine objektive Einschätzung der Gefahrenlage und trägt damit auch zur eigenen Sicherheit bei.

Energiepartnerschaft zwischen Deutschland und Israel

Durch die nun unterzeichnete Energiepartnerschaft zwischen Deutschland und Israel wird es in den kommenden Jahren zahlreiche bilaterale Kooperationsprojekte geben. Wir freuen uns mit dem Know-how aus der Startup-Nation einen Beitrag dazu leisten zu können, eine sichere und verlässliche kritische Infrastruktur zu schaffen. Das Energiesystem der Zukunft wird in jedem Fall auch mit israelischer Technologie geschützt werden.

Wir freuen uns, mit Ihnen in Kontakt zu treten. Schreiben Sie uns jederzeit gerne:

Simon Steffgen: simon.steffgen@israeltrade.gov.il